Schufa Eintrag löschen? Viele wissen nicht, dass unberechtigte Negativeinträge mit rechtlichem Druck entfernt werden können – so gelingt es.

Rechtswidriger Schufa-Eintrag nach Inkasso-Streit
Der Fall beginnt mit einer typischen, aber hochbrisanten Situation: Eine betroffene Person erhält Post von einem Inkassounternehmen – der ALEKTUM GmbH. Obwohl sie der Forderung umgehend widerspricht und dies sogar per Fax nachweislich zustellt, meldet das Inkassounternehmen trotzdem eine sogenannte “Zahlungsstörung” an die Schufa. Nur fünf Tage liegen zwischen dem Widerspruch und dem Eintrag. Und das reicht, um wirtschaftlich alles zu verändern: Der Score sinkt drastisch, Kreditkartenfirmen kündigen, Ratenzahlungen werden eingefroren, ein Schaden von rund 10.000 € entsteht.
Verzicht oder nicht? Angeklagter kämpft um Revisionsrecht (1 StR 292/00) 👆Gesetzliche Grundlagen zur Datenmeldung
Die DSGVO regelt in Art. 6 Abs. 1 lit. f, wann personenbezogene Daten auf Basis eines “berechtigten Interesses” verarbeitet werden dürfen. Bei Inkasso-Fällen wird häufig genau das behauptet – allerdings zu Unrecht, wenn ein Widerspruch vorliegt. Auch § 31 BDSG (Bundesdatenschutzgesetz) verlangt ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Gläubigerinteresse und Betroffenenschutz.
Bedeutung des Widerspruchsrechts
Ein offener Widerspruch signalisiert, dass die Forderung bestritten ist. In diesem Fall darf laut § 31 Abs. 2 Nr. 4 BDSG kein negativer Schufa-Eintrag erfolgen. Auch die Schufa selbst räumt in ihren eigenen Leitlinien ein, dass bei Widerspruch mit Nachweis keine Meldung erfolgen sollte – zumindest nicht ohne Rücksprache und Prüfung.
Keine Meldung ohne Gläubigernachweis
Nach § 410 BGB ist der Schuldner berechtigt, vom neuen Gläubiger (hier Alektum) die Vorlage einer Abtretungserklärung zu verlangen. Wird diese nicht erbracht, darf der Schuldner Zahlungen verweigern – und es entsteht ein berechtigter Grund zur Bestreitung der Forderung. Ohne eine saubere Forderungsgrundlage darf kein Eintrag erfolgen.
Gestohlener Scheck führt zu Betrugsversuch und juristischem Drama (1 StR 403/00) 👆Konkrete juristische Einwände formulieren
Wer betroffen ist, sollte umgehend tätig werden. Dabei gilt es, nicht nur die Einmeldung bei der Schufa anzufechten, sondern auch gezielt gegen das meldende Inkassobüro vorzugehen.
Sofortmaßnahme: Meldung an die Schufa
Ein formloser, aber nachweislich versendeter Widerspruch reicht meist nicht. Es ist ratsam, einen schriftlichen Antrag mit allen Nachweisen direkt an die Schufa zu senden, verbunden mit Verweis auf Art. 17 DSGVO (Recht auf Löschung) und Art. 16 DSGVO (Berichtigung). Auch eine einstweilige Verfügung kann vorbereitet werden.
Erfolgreiche Argumentation vor Gericht
In einem Fall vor dem Amtsgericht Hamburg stellte der Richter klar: Alektum hätte wegen fehlender Legitimation keinen Eintrag melden dürfen. Das Urteil bestätigte nicht nur die Unzulässigkeit, sondern öffnete auch den Weg für Schadensersatzansprüche gemäß Art. 82 DSGVO.
Inkasso KFZ-Brief nicht erhalten – Was tun jetzt? 👆Wiederholte Bonitätsabfragen durch Inkasso
Ein besonders perfides Mittel: Nach Löschung des Eintrags starten Inkassobüros neue Bonitätsabfragen, was den Score erneut verschlechtert – trotz laufendem Verfahren.
Juristische Bewertung solcher Abfragen
Die Schufa selbst verweist darauf, dass solche Bonitätsanfragen ein Jahr lang gespeichert werden. Doch in Streitfällen kann die sofortige Löschung verlangt werden, da keine sachliche Notwendigkeit besteht. Die DSGVO verlangt Datenminimierung (Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO) – und genau hier liegt der Bruch.
Familiendrama führt zu tragischem Tod (1 StR 236/00) 👆Schadensersatz geltend machen
Ein gesunkener Score kann massive finanzielle Folgen haben: Kredite platzen, Konten werden eingefroren, Vertragskündigungen drohen.
Voraussetzungen für Anspruch
Nach Art. 82 DSGVO besteht ein direkter Anspruch auf Schadenersatz, wenn ein Verstoß gegen Datenschutzrecht zu einem konkreten wirtschaftlichen Schaden führt. Dabei sind die Nachweispflichten hoch – aber nicht unerreichbar. Ein medizinisches Gutachten ist es nicht, sondern die Dokumentation der Auswirkungen zählt: Kontoauszüge, Kündigungsschreiben, Zinsnachzahlungen.
Inkasso Zinsen Schuldenplan: 5 Fehler, die teuer werden 👆Strategien für die zweite Klagerunde
Ist der erste Antrag durch, beginnt der nächste Schritt – oft mit anwaltlicher Unterstützung.
Warum ein zweiter Schritt nötig wird
Ein Vergleich kann zwar eine Einigung bringen, aber selten umfassenden Ausgleich. Für die vollständige Anerkennung eines DSGVO-Schadens braucht es in vielen Fällen ein Hauptverfahren, in dem Beweise vertieft werden. Auch die Einbindung eines Datenschutzbeauftragten oder eine Meldung an die Aufsichtsbehörde (z. B. LfDI) kann hilfreich sein.
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