SEPA Lastschrift ohne Mandat? Trotz Widerspruch droht Inkasso – das können Sie jetzt tun.
SEPA Lastschrift ohne Mandat – ein realer Betrugsfall
Es beginnt wie aus dem Nichts: Am 3. August 2023 bemerkt ein Mann zwei Rücklastschriften auf seinem Konto – ausgelöst durch angebliche SEPA-Lastschriften von Hornbach, Bauhaus und der Payone GmbH. Das Problem? Er war nicht vor Ort, hat nichts gekauft und nie ein SEPA-Mandat erteilt.
Die Bank verweigert aufgrund fehlender Deckung die Abbuchungen – ein Glück, könnte man meinen. Doch statt dass der Fall damit erledigt ist, folgt eine Inkasso-Forderung, auf die zunächst nicht reagiert wird. Monate später trifft ein Vollstreckungsbescheid vom Amtsgericht Hünfeld ein. Nun steht nicht nur eine Forderung im Raum, sondern auch ein SCHUFA-Eintrag.
Was also tun, wenn man nie ein Mandat gegeben hat, aber plötzlich eine titulierte Forderung über einem schwebt?
Inkasso Forderung Verjährung prüfen – So vermeiden Sie Fehler 👆Unterschied SEPA-Mandat und Einzugsermächtigung
SEPA-Lastschriften setzen ein schriftliches oder elektronisches Mandat voraus. Das bedeutet: Der Zahlungspflichtige muss dem Zahlungsempfänger die Erlaubnis erteilen, Geld einzuziehen – und gleichzeitig seiner Bank die Zustimmung zur Einlösung geben.
Fehlt dieses Mandat, handelt es sich rechtlich um eine unautorisierte Abbuchung nach Art. 64 Abs. 1 der EU-Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2). Auch § 675j BGB greift hier – ohne Mandat liegt keine wirksame Weisung vor, und die Rückbuchung ist grundsätzlich möglich.
Trotzdem: Der Empfänger kann die Forderung rechtlich geltend machen, wenn er andere Wege wie ein Inkassoverfahren oder einen Mahnbescheid einleitet – auch ohne Mandatskopie. Spätestens hier wird es kompliziert.
Eos Forderung trotz Betrugsfall – Was tun jetzt? 👆Reaktion auf Mahnbescheid und Fristen
Viele Betroffene wissen nicht, dass sie einem Mahnbescheid innerhalb von 14 Tagen widersprechen müssen – sonst wird dieser rechtskräftig. Geschieht das nicht, folgt der Vollstreckungsbescheid (§ 699 ZPO). Auch hier gibt es eine 14-tägige Einspruchsfrist – verstreicht auch diese, wird der Titel rechtskräftig.
Und genau das ist hier passiert: Der Widerspruch blieb aus, der Titel ist da. Der Zug scheint abgefahren. Oder?
FLG Leasing Forderung Tanken – So wehrst du dich! 👆Vollstreckungsgegenklage als letzte Rettung?
In besonders gelagerten Ausnahmefällen kann man eine sogenannte Vollstreckungsgegenklage nach § 767 ZPO einreichen. Doch hier liegt der Haken: Diese Klage darf sich nur auf Umstände stützen, die erst nach der Titulierung entstanden sind.
Fehlt das SEPA-Mandat jedoch schon vorher, hilft § 767 ZPO in der Regel nicht weiter. Es müsste vielmehr ein Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand (§ 233 ZPO) gestellt werden – also eine Art „Bitte um Nachsicht“, wenn man die Frist schuldlos versäumt hat, zum Beispiel wegen Krankenhausaufenthalt, Auslandsaufenthalt oder gravierender Krankheit.
Kartenzahlung fehlgeschlagen Konto gekündigt – Mahnung? 👆Wiedereinsetzung in den vorigen Stand
Die Erfolgschancen für solch einen Antrag sind gering, aber nicht ausgeschlossen. Er muss innerhalb von zwei Wochen nach Wegfall des Hindernisses gestellt werden. Wichtig ist: Man muss glaubhaft machen, warum man nicht früher reagiert hat.
Ein solcher Antrag kann nur dann erfolgreich sein, wenn das Gericht nachvollziehen kann, dass es wirklich kein Verschulden des Betroffenen war. Ein einfacher Satz wie „Ich habe den Brief übersehen“ reicht dabei nicht aus.
Mahnbescheid Stromlieferung Verjährung verstehen 👆SEPA-Mandat nachfordern – bringt das was?
Viele versuchen, im Nachhinein das Inkassounternehmen oder den Gläubiger aufzufordern, das SEPA-Mandat vorzulegen. Doch in der Phase nach Titulierung ist das juristisch kaum noch relevant. Der Gläubiger muss in diesem Stadium nichts mehr beweisen – es sei denn, man hat fristgerecht Einspruch eingelegt oder eine Klage anhängig gemacht.
In der Praxis werden Mandate ohnehin selten aufbewahrt oder vorgelegt – oft genügt die schlichte Behauptung, dass ein Auftrag vorlag. Die Beweislast dreht sich erst, wenn man aktiv klagt.
Tochter als Tauschobjekt in schockierender Familienaffäre (1 StR 343/00) 👆Negative SCHUFA-Einträge durch Inkasso
Ist die Forderung erst einmal tituliert, darf sie auch der SCHUFA gemeldet werden. Und genau hier beginnt die zweite Katastrophe: Der Eintrag wirkt sich über Jahre negativ auf Bonität, Kredite, Mietverträge oder Handyverträge aus.
Es ist zwar möglich, mit Nachweisen einen Löschungsantrag zu stellen (§ 17 DSGVO), doch ohne juristische Aufhebung des Vollstreckungsbescheids bleibt die Erfolgschance niedrig. Wer gegen einen solchen SCHUFA-Eintrag vorgehen will, muss meist den Weg über das Gericht suchen.
Inkasso Titel nach 24 Jahren – so reagieren Sie klug 👆Was tun, wenn der Titel bereits da ist?
Hier beginnt das Dilemma für viele: Sie haben einen Vollstreckungsbescheid erhalten, wissen aber gar nicht, dass sie Widerspruch hätten einlegen müssen. Und nun?
Dann gibt es nur drei realistische Optionen:
-
Antrag auf Wiedereinsetzung (§ 233 ZPO) mit guter Begründung
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Vollstreckungsgegenklage (§ 767 ZPO), wenn neue Umstände aufgetreten sind
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Vergleich mit Gläubiger suchen, um SCHUFA-Eintrag durch Erledigung zu beenden
Doch all das erfordert juristische Expertise, gute Formulierungen – und vor allem Zeitdruck. Die Fristen sind kurz und werden streng geprüft.
Inkasso Zinsen Mahnverfahren – 9,5 % rechtens? 👆Warum Ignorieren der Anfang vom Ende ist
Die meisten Probleme entstehen nicht durch die Inkasso-Forderung selbst, sondern durch das Schweigen darauf. Wer nicht reagiert, signalisiert Zustimmung – zumindest juristisch.
Gerade beim Mahnbescheid muss man wachsam sein: Er wird per gelbem Umschlag zugestellt und löst eine 14-tägige Widerspruchsfrist aus. Verpasst man diese, ist es später fast unmöglich, das Ruder noch herumzureißen.
Rechnung nicht erhalten Inkasso – Was jetzt hilft 👆Fazit
Wenn eine SEPA Lastschrift ohne Mandat erfolgt und man rechtzeitig widerspricht, sollte der Fall eigentlich erledigt sein. Doch die Realität zeigt: Selbst nach Widerspruch kann es zu Inkasso-Maßnahmen und einem Vollstreckungsbescheid kommen. Genau das ist in unserem Fall passiert.
Der Schlüssel liegt im Umgang mit Fristen und Belegen. Ein SEPA-Mandat, das nie existiert hat, bietet zwar eine juristische Grundlage für die Verteidigung – aber nur, wenn man rechtzeitig reagiert. Wer Mahnbescheide ignoriert, macht es dem Inkassounternehmen leicht, selbst unberechtigte Forderungen zu titulieren.
Die Kombination aus SEPA Lastschrift ohne Mandat und Inkasso trotz Widerspruch zeigt, wie schnell ein Missverständnis zur rechtlichen Falle werden kann. Darum: frühzeitig handeln, juristischen Rat suchen und niemals einfach abwarten. Es geht nicht nur ums Geld, sondern auch um Ihre Bonität und Glaubwürdigkeit.
Kreditreff.com Abo Mahnung ignorieren oder zahlen? 👆FAQ
Was ist eine SEPA Lastschrift ohne Mandat?
Eine SEPA Lastschrift ohne Mandat bedeutet, dass eine Abbuchung vom Konto erfolgt ist, ohne dass Sie dem Zahlungsempfänger ausdrücklich die Erlaubnis dazu erteilt haben. Dies ist laut § 675j BGB unzulässig und grundsätzlich rückforderbar – solange Sie schnell reagieren.
Wie kann ich gegen ein Inkasso trotz Widerspruch vorgehen?
Zunächst sollte geprüft werden, ob Sie rechtzeitig auf den Mahnbescheid reagiert haben. Falls nicht, kann nur noch ein Antrag auf Wiedereinsetzung oder eine Vollstreckungsgegenklage helfen. Lassen Sie sich juristisch beraten, um keine Fristen zu verpassen.
Was ist ein Vollstreckungsbescheid und wann wird er rechtskräftig?
Ein Vollstreckungsbescheid ist ein gerichtlicher Titel, der nach einem Mahnbescheid erlassen wird, wenn kein Widerspruch eingelegt wurde. Er wird rechtskräftig, wenn Sie nicht innerhalb von 14 Tagen nach Zustellung widersprechen.
Kann man einen Vollstreckungsbescheid rückgängig machen?
Ja, aber nur unter engen Voraussetzungen. Entweder über eine Vollstreckungsgegenklage nach § 767 ZPO oder durch Wiedereinsetzung in den vorigen Stand (§ 233 ZPO), falls Sie die Frist unverschuldet verpasst haben.
Muss das Inkassobüro das SEPA-Mandat nachweisen?
Vor Titulierung ja – danach nur, wenn Sie Widerspruch eingelegt haben. Haben Sie die Fristen verpasst, besteht keine Pflicht zur Vorlage mehr. Das bedeutet: Das Inkassobüro muss nicht mehr beweisen, dass ein Mandat vorliegt.
Wie kann ich einen SCHUFA-Eintrag wegen solcher Forderungen löschen lassen?
Nur wenn Sie beweisen können, dass die Forderung unrechtmäßig war und der Vollstreckungstitel aufgehoben wurde. Ansonsten bleibt der Eintrag meist für drei Jahre bestehen – selbst wenn Sie die Forderung begleichen.
Was passiert, wenn ich auf den Mahnbescheid nicht reagiere?
Dann gilt die Forderung als unbestritten, selbst wenn sie unberechtigt war. Der Gläubiger erhält einen Vollstreckungstitel und kann Ihre Konten pfänden lassen oder einen negativen SCHUFA-Eintrag veranlassen.
Sollte ich dem Inkassounternehmen direkt schreiben?
Nein – sobald ein Mahnbescheid im Raum steht, ist die richtige Stelle das Gericht. Schreiben Sie dem Inkasso nicht, sondern reagieren Sie formell über das Mahngericht und mit Unterstützung eines Anwalts.
Was kostet eine Vollstreckungsgegenklage?
Die Gerichtskosten hängen vom Streitwert ab, ebenso die Anwaltskosten. Rechnen Sie mit mindestens mehreren Hundert Euro. Trotzdem: Wenn die Forderung unberechtigt ist, kann sich der Aufwand lohnen – nicht zuletzt wegen Ihrer Bonität.
Wie kann ich mich künftig vor solchen SEPA Lastschriften ohne Mandat schützen?
Überprüfen Sie regelmäßig Ihre Kontoauszüge, richten Sie ggf. einen Lastschrift-Widerspruch bei Ihrer Bank ein und hinterfragen Sie unbekannte Abbuchungen sofort. Im Zweifel: Konto sperren lassen und Anzeige erstatten. Prevention ist besser als Reaktion.